„glaube!“ – Religiöses Buch des Monats Oktober

Cover glaube!„glaube!“ fordert der Münchener Kardinal Reinhard Marx die Leser seines Buches auf. Kein Befehl, eher eine nachdrückliche Einladung, die leise Stimme Gottes nicht zu überhören. Borromäusverein und Sankt Michaelsbund empfehlen sein Buch als Religiöses Buch des Monats Oktober.

Im ersten der fünf Kapitel nähert sich Kardinal Marx der Frage an, was Glaube überhaupt ist. Er sieht ihn als den einzig möglichen Weg für den Menschen, das eigene Ich und seine Erfahrungswelt zu übersteigen – auf ein Du hin, das dem Leben Sinn und unbegrenzte Weite verleiht. Natürlich stellt sich aber die Frage, ob dieser Glaube auch wahr ist, ob nicht die Erfahrung der Welt mit all ihrem Leiden und Sterben gegen den Glauben an einen gütigen Gott spricht. Und wie sollte der endliche Mensch mit seinem Denken überhaupt bis zu Gott vordringen können? Die Bibel hat darauf eine Antwort: Nicht der Mensch findet Gott, sondern Gott kommt dem Menschen entgegen und offenbart sich ihm, er spricht uns an und wir können uns seinem Anspruch öffnen.

Das führt direkt weiter zum zweiten Kapitel, in dem Bischof Marx zeigt, dass der christliche Glaube nicht in erster Linie ein Glaube an bestimmte Inhalte ist, vielmehr glauben wir jemandem, einer Person, Jesus von Nazareth. In ihm sind Person und Botschaft eins geworden, Jesus verkündet Gott als die Liebe und er, Gottes Sohn, liebt die Menschen so sehr, dass er für sie in den Tod geht. Dadurch bekommt die Frage nach dem Leid eine ganz neue Bedeutung. Und es wird auch klar, dass der Glaube Vertrauen braucht. Vertrauen zuallererst zu Gott, dann aber auch gegenüber den Zeuginnen und Zeugen, die den christlichen Glauben weitergeben.

Kardinal Marx verschweigt an dieser Stelle nicht, dass „die Erkenntnis über den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der Kirche diese Glaubwürdigkeit für viele erschüttert hat.“ (36) Dennoch ist der Glaube, das dritte Kapitel handelt davon, eigentlich nur in einer Gemeinschaft wirklich möglich. Die Glaubenserfahrung des Einzelnen braucht immer auch eine Bestätigung durch andere, damit sie nicht rein subjektiv bleibt, aber auch weil jeder in seinem Glaubensleben Zeiten des Zweifels erlebt, in denen er sich von der Gemeinschaft tragen lassen kann. Bischof Marx entwirft in diesem Zusammenhang auch das schöne Bild vom Glauben als einem Weg in einem großen, wunderbaren Garten, den einer allein niemals bestellen könnte und in dem auch nicht jeder alles sofort und in gleicher Weise aufzunehmen vermag, dessen Schönheit insgesamt aber fasziniert.

Das vierte Kapitel fasst noch einmal zusammen, dass es zwar keine Beweise für den Glauben gibt, aber eben doch gute Gründe. Und der Glaube muss sich ja auch vor der Vernunft verantworten können. Trotzdem wird der Glaube als ein freier Akt immer ein Wagnis bleiben, das auch nicht banalisiert und verharmlost werden darf. Darum ist es auch wichtig, dass „die Art und Weise unseres Glaubenszeugnisses, unserer kirchlichen Vollzüge“ (74) das Geheimnis und die Größe Gottes stets in Demut und Anbetung auszudrücken versucht, und nur so „können wir als Kirche auch Menschen Hilfe und Wege eröffnen zum Mitgehen“ (76).

Das letzte Kapitel trägt schließlich die gleiche Überschrift wie das ganze Buch (Glaube!) und fordert damit die Leser/innen direkt auf, sich selbst auf das Abenteuer des Glaubens einzulassen. Denn auch wenn der Glaube vor allem Geschenk und Gnade ist, bedeutet dies doch nicht, dass man nur passiv darauf warten könnte. Suchen, bitten, anklopfen, dazu fordert Jesus uns immer wieder auf, und auch für den, der zum Glauben gefunden hat, sind doch immer wieder schwere Zeiten durchzustehen, in denen Gott verborgen scheint. Nur so, als persönliches Bekenntnis zu Jesus Christus, ist der Glaube für Kardinal Marx möglich, und deshalb spricht er in diesem Buch nicht nur über den Glauben allgemein, sondern auch von eigenen Glaubenserfahrungen. So vermag sein Buch auch in kompakter Form doch außerordentlich viel über den christlichen Glauben in anschaulicher, überzeugender Weise zu vermitteln und ist eine sehr lesenswerte „Einladung zum Glauben“ (14) bzw. zum Gespräch über den Glauben. Thomas Steinherr/Sankt Michaelsbund

Reinhard Marx: „glaube!“ München, Kösel 2013. – 96 S., 10 €. Dieses Buch können Sie bei der borro medien gmbh kaufen.

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

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